Das Trauergenogramm

 

Das Trauergenogramm (TGG) wurde von mir als Methode für die familientherapeutischePraxis entwickelt. Mit dieser Methode gewinne ich als Beraterin gemeinsam mit  dem Trauernden eine Vielzahl von Informationen über seine Familie und sein Trauersystem.

 

 

 

Der Verlauf eines Trauerprozesses wird maßgeblich davon beeinflusst, wie viel Unterstützung Trauernde in ihrem sozialen Umfeld finden; das zeigen viele Erfahrungen. Als systemische Beraterin nehme ich deshalb nicht nur den einzelnen Trauernden in den Blick, sondern beziehe sein ganzes familiäres System mit ein. Eine hilfreiche Methode dabei ist das von mir entwickelte Trauergenogramm, eine grafische Darstellung der Familienstruktur und ihres Trauersystems. Basierend auf der Methode der Genogrammarbeit trägt es dazu bei, Fakten in Familienstrukturen und Trauerprozessen anschaulich und damit für die weitere Beratung nutzbar zu machen. Dabei wird der Blick vor allem auf die Aspekte gelenkt, die für den Trauerprozess von Bedeutung sind. Das Familiensystem wird mit dem Trauersystem verbunden und so erweitert um jene Personen, die nicht zur Familien gehören, aber »mit«trauern.

 

 

 

 

 

Diese abgebildeten Trauergenogramme sind im Laufe einer systemischen Beratung mit der jungen Witwe Ute entstanden. Vor zehn Jahren hatte sie ihr erstes Kind in der 38. Schwangerschaftswoche verloren. Im ersten Trauergenogramm wird deutlich, dass nahezu das gesamte Familiensystem zum Trauersystem wird. Das ist nicht immer so; gerade bei einem frühen Kindstod ist das Familiensystem oft überfordert. Die Trauer um ein totgeborenes Kind ist für die Eltern meistens eine sehr einsame Trauer. Niemand außer ihnen hat das Kind kennen gelernt; seine Existenz wird oft nicht anerkannt, und heftige Trauerreaktionen werden vom Umfeld meist nicht akzeptiert. So bietet eine Trauergruppe von Gleichbetroffenen oft den einzigen Raum, in dem die Muster der Sprachlosigkeit und des Verdrängens durchbrochen werden können.

 

 

 

Das zweite Trauergenogramm zeigt Utes Situation neun Jahre später, zum Zeitpunkt der Beerdigung ihres Ehemanns Klaus, der nach längerer Krankheit und einer intensiven Phase des Abschiednehmens gestorben war. Außer der Familie gibt es nun ein großes Trauersystem, das heißt zahlreiche Mittrauernde, die für Ute in der ersten Phase der Trauer ein tragendes Netz der Unterstützung bilden.

 

 

 

 

 

Im dritten Genogramm, ein Jahr nach Klaus' Tod, wird deutlich, dass das Trauersystem erheblich geschrumpft ist; nur noch die nächsten Angehörigen und ein paar treue Freunde gehören dazu. Dagegen gewinnen Außenstehende - wie die Therapeutin oder Mitglieder einer Trauergruppe - eine größere Bedeutung.

 

 

 

Grafiken: Holger Ruhnke, www.ruhnke-design.de